Review: Patrick McNamara – Sentinel

IMG_1890

Kaum sitzt man eine Viertelstunde im ICE, ist das Buch ausgelesen. Ein Planungsfehler.

Auf “Sentinel: Become the Agent in Charge of Your Own Protection Detail” wurde ich aufmerksam, da es auf der Website von Hill People Gear als “good starting point” in Sachen situational awareness bezeichnet wird. Dieses Thema ist in meinen Augen zentral wenn es um die persönliche Sicherheit und einen “taktischen Lifestyle” geht. Kein Strider, keine Schusswaffe, kein IFAK und kein todschicker Patch können einen Mangel an situational awareness ausgleichen. Fast niemand hat ein Problem damit, sich tolles neues Spielzeug zu kaufen, die Augen aber offen zu halten, auf dem Weg zur Arbeit nicht das neue Album von Lana Del Rey per Kopfhörer zu hören und nachzudenken über das, was um einen herum geschieht, das ist für viele ein großer Schritt heraus aus ihrer comfort zone.

Genug Gelaber von mir, zurück zum Buch. Es umfasst 128 Seiten, auf denen  “Mac” in englischer Sprache und größtenteils ohne Abbildungen und Illustrationen beschreibt, wie man die eigene Sicherheit und die der Familie organisiert, orientiert an den tactics and procedures amerikanischer Personenschützer und anderer Militärangehöriger. Das Buch hat mich auf Amazon elf Euro gekostet.

Der Autor hat 22 Jahre Erfahrung in Sondereinheiten und eine beeindruckende Liste von credentials vorzuweisen, heute ist er tactical trainer und Familienvater.

McNamara verliert zunächst ein paar grundlegende Worte und erklärt den Begriff des Sentinel, des Wächters also, der immer ein kritisches Auge auf das Geschehen hat. Nachdem er kurz das Prinzip Protection Detail erklärt hat, folgen einige Kapitel zum Thema Autofahren. Wie fahre ich gut und richtig, wie sollte ich mein Auto in Schuss halten, wo parke ich und wie wechsele ich einen Reifen. Als nächstes umreisst McNamara die Pflichten eines Advance Team um dem Leser dann all diese Pflichten aufzuerlegen, allerdings nur bezogen auf die persönliche Lebensrealität. Das Sich-kundig-machen im Restaurant, über das Hotel in dem man wohnt und der Versuch, die Orientierung zu behalten und eine grobe Einschätzung des Normalen am jeweiligen Ort zu erlangen bilden hier die Grundsätze.

McNamara beginnt dann die skillsets zu beschreiben, die er für nötig erachtet; nämlich Schießen, urban survival, Selbstverteidigung ohne Waffen, körperliche Leistungsfähigkeit und Wissen um Erste Hilfe. Er empfiehlt, sich diese Fähigkeiten anders anzueignen, als es meist getan wird, sich eher an der Qualität dessen zu orientieren, das man tut, und nicht an dem, was am Ende herauskommt. Lieber sollte man also fünf einwandfreie Schüsse aus der Kurzwaffe auf ein Ziel abgeben können, als unter Zeitdruck einen IPSC-Parkour zwar zu beenden, aber alle Grundlagen dabei zu vernachlässigen.

Nachdem McNamara zu all diesen Themenfeldern einige Empfehlungen abgegeben hat, erläutert er die erfolgreiche home defense. Absicherung gegen Einbrecher aber auch gegen Naturkatastrophen, Kommunikation mit den Lieben im Krisenfall und das Packen eines bug out bag bilden hier die Grundlagen. Den Abschluss bilden troop-leading procedures bezogen auf einen Ausflug mit der Familie.

McNamara hat sich zugegebenermaßen viel vorgenommen in seinem Buch, das eher ein Büchlein ist, dementsprechend kann er jedes Thema nur grob angehen, versucht aber auch nicht ermüdend zu beschreiben. Genau an diesem Punkt liegt die Stärke dieses Buches, es werden Themen angerissen und Probleme dargestellt, Denkanstöße gegeben und Lösungen angeboten, aber McNamara besteht immer darauf, dass der Leser selbst gutes Training sucht, sich weiterbildet und nur tut, was für ihn selbst richtig und effektiv ist. Viel zu oft werden heute cookie cutter methods angepriesen, die sich meist als teuer und weitgehend nutzlos erweisen, McNamara ist da eine Ausnahme.

Natürlich schleichen sich in einem derartig konzipierten Buch Fehler ein, wenn auch darauf geachtet wird, nicht oberflächlich zu bleiben. Mir wurde dies vor allem im Kapitel zu Krafttraining und anderem Training klar, weil dies mein Feld der Expertise darstellt. Nein, das Kreuzheben ist kein olympic lift und nicht alles Training sollte als Zirkeltraining durchgeführt werden, trotzdem ist seine grundlegende Aussage vollkommen richtig.

Ein anderes Problem ist das Recycling einzelner Sätze und ganzer, kurzer Absätze. Mich stört es beim Lesen, wenn ich identische Zeilen auf mehreren Seiten lese, die in verschiedenen Kapiteln sind. Auch einige kleine orthographische Fehler fielen mir auf.

Insgesamt möchte ich dieses Buch weiterempfehlen. Es fasst gut die Grundlagen eines tactical lifestyle zusammen und gerade die Kapitel zu Planung und Durchführung sind sehr interessant und schön ausgeführt. Als Einstiegswerk für diejenigen jedoch, die nicht sowieso bereits ein Herz fürs Taktische entwickelt haben, die wird der Ton des Buches, wenn er auch nicht unangenehm jovial ist, abschrecken. Es schreibt ein ehemaliger Soldat und das merkt man, im Guten wie im Schlechten.

Sentinel auf Amazon

TMACS Inc., McNamaras Firma

Advertisements

2 thoughts on “Review: Patrick McNamara – Sentinel

  1. Pingback: Was bisher geschah und was noch auf euch zukommt. | always bring a knife

  2. Pingback: Pfefferspray – ein Überblick | always bring a knife

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s