Review: Left of Bang

IMG_3045.JPG

Bessere Namen hätte man eigentlich auf das Buchcover von “Left of Bang” gar nicht drucken können; de Becker hat einen Mordserfolg mit “The Gift of Fear” und das völlig zu Recht, General “Mad Dog” Mattis ist mittlerweile eine Legende nicht nur im USMC, Dave Grossman hat Killology erfunden und sorgt für stetigen Zuwachs an Kunden und Erkenntnissen, und Steven Pressfield ist wohl einer der ganz großen, taktischen Romanautoren.

“Left of Bang” besteht aus den wichtigsten Ideen des Combat Profiling, welches wiederum ein Drittel des USMC-Combat Hunter Program bildet. Dieses Programm wurde entwickelt, um US-Marines Wissen und Fähigkeiten zu vermitteln, die in ihrer normalen Ausbildung fehlen, die sie aber dazu ermächtigen, deutlich effizienter und sicherer auf dem Schlachtfeld zu werden. Ihnen soll die Möglichkeit gegeben werden, sich mit ihrem Umfeld, den Dingen wie den Menschen, auf eine neue Art und Weise auseinanderzusetzen, indem man ihnen neue analytische Zugänge zu ihrer eigenen Wahrnehmung beibringt.

Die anderen beiden Facetten, Combat Tracking und allgemein Observation, des Combat Hunter Program werden im Buch wie gesagt ignoriert, wären aber vermutlich auch nicht so interessant und gewinnbringend zu lesen. Das Buch soll eine Anleitung dazu sein left of bang zu bleiben, also auf der Zeitleiste eines Notfalls links von ihm und nicht rechts, also aktiv agierend und nicht reagierend und sich so vom Gegner Optionen diktieren zu lassen. Das erste Kapitel beschreibt grundlegend das Wesen des Combat Profiling, aus welcher Not heraus es in Afghanistan entstanden ist und wie begonnen wurde es in die Praxis umzusetzen. Auch hier darf Coopers Color Code mal wieder nicht fehlen.

Das zweite Kapitel setzt sich mit decision making unter Stress auseinander, ebenso mit dem gleichen Prozess aber einem Mangel an Details. Proaktiv zu bleiben und Entscheidungen zu treffen, die wahrscheinlich die richtigen oder zumindest weniger falschen sind, ist das Herzstück dieses Buches. Wie und warum wir dazu in der Lage sind, wird im Buch sehr schön dargestellt.

Im dritten Kapitel wird es dann richtig spannend: Die Six Domains werden eingeführt, in die menschliches Verhalten unterteilt wird, folgt man dem Konzept Combat Profiling. Ich verrate an dieser Stelle nicht alle sechs, aber zusammen ergeben sie ein umfassendes Bild dessen, was einem an zwischenmenschlichem Verhalten begegnen kann. Das Verhalten ist dabei nicht zwingend direkt interpersonal, sondern kann sich auch auf Bewegungsmuster in besiedelten Gebieten, Graffiti oder Gruppendynamiken beziehen.

Kapitel vier beschreibt, wie man auf Grundlage der vorher gewonnen Erkenntnisse gute Entscheidungen trifft, und das möglichst schnell. Es werden eine Handvoll Optionen entwickelt, jeweils zugeschnitten auf Situation und Akteur, im Einkaufszentrum als Zivilperson sind diese natürlich grundverschieden von denen eines Marines in Afghanistan. Die Betonung von Aktion gegenüber Reaktion wird hier sogar noch wichtiger.

Das letzte Kapitel beschreibt, wie nun all diese Ideen, Konzepte und Theoreme in Aktion umgesetzt werden können und sollen. Besonders gut gefiel mir die detaillierte Beschreibung davon, im Alltag baselines zu erkennen und was Abweichungen von diesen bedeuten können.

“Left of Bang” ist eine sehr strukturierte Anleitung zum Thema situational awareness. Die sechs verschiedenen analytischen Zugänge ermöglichen es, eigene Entscheidungen argumentativ zu rechtfertigen, wirken aber manchmal etwas steif. An dieser Stelle bemerkt man, dass das Übertragen von Kategorien aus Afghanistan auf den Alltag irgendwo im Westen, einen Ort an dem man also vermutlich aufgewachsen ist und dessen Kultur man vollständig verinnerlicht hat, nur bedingt funktioniert. Das Buch bildet aber trotzdem eine ausgezeichnete Grundlage für den tactical lifestyle, auf der man mit eigenem Wissen und eigener Erfahrung sehr solide aufbauen kann.

Als Bonus gibt es noch eine sehr ausführliche Internetseite passend zum Buch, auf die man als Käufer zugreifen kann. Neben weiterführenden Texten gibt es dort auch Videos, anhand derer die im Buch beschriebenen Phänomene und Verhaltensweisen verdeutlicht werden. Die Webseite ist allein den Preis des Buches wert, finde ich.

Advertisements

2 thoughts on “Review: Left of Bang

  1. Pingback: Was bisher geschah und was noch auf euch zukommt. | always bring a knife

  2. Pingback: Pfefferspray – ein Überblick | always bring a knife

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s