Review: Bastinelli RED V2

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Auch Kürbisse sind nicht vor dem RED V2 sicher…

Mit dem RED hat Bastien Coves von Bastinelli Knives einen instant classic in Sachen multifunktionales, taktisches Gebrauchsmesser geschaffen, nun legt er mit dem RED V2 nach. Ich habe das RED V2 in den letzten Monaten getestet und möchte es nun vorstellen.

Das Messer

Die erste Version des RED hat derLichtschalter bereits vor geraumer Zeit auf seinem Blog vorgestellt. Die Version zwei wurde nur an einigen Punkten leicht verändert.

Der verbaute Stahl ist wieder N690Co, die Griffschalen bestehen wieder aus schwarzem G10, das Messer ist wieder in den Varianten stonewashed und mit DLC-coating verfügbar.

Das RED V2 ist insgesamt 22cm lang, davon sind 102mm scharf und damit bleiben 118mm für den Griff. Die erste Besonderheit des RED ist die leicht abgesenkte Klinge. Die Messerklinge ist im Verhältnis zum Griff um etwa einen halben Centimeter tiefer angebracht, das soll die Kontrolle über das Messer verbessern, wenn man es für Schnitte gebraucht die mit viel Kraft vollzogen werden müssen, verhindert, dass man mit der Hand auf die Klinge rutscht, und sorgt dafür, dass man sich nicht die Finger einklemmt, wenn man auf einer größeren Fläche etwas schneidet.

Eine andere Besonderheit des RED ist der Griff. Das RED wurde in Zusammenarbeit mit Beamten der französischen Polizei-Sondereinheit RAID entworfen und soll ein Messer sein, das vollfunktional ist, gleichzeitig aber wenig Platz wegnimmt und problemlos verdeckt getragen werden kann. Dementsprechend ist der Griff des RED zwar so lang wie man es für ein ausgewachsenes Messer erwarten würde, besitzt aber nur schmale Griffschalen aus G-10. Der Griff des RED hat einen Durchmesser von etwas mehr als einem Centimeter, allerdings sind die Griffschalen so geschliffen und abgerundet, dass das Messer in meinen nur mäßig großen Händen trotzdem sicher und bequem liegt, auch bei längerem Arbeiten. Sehr positiv auf die sichere Handlage wirkt sich die Griffmulde für den Zeigefinger aus. Diese ist nicht, wie sonst häufig, in die Klinge oder Griffschale eingelassen, sondern wird durch einen Dorn zwischen Klingenwurzel und dem Rest des Griffes erzeugt. Die Griffschalen sind mit drei Torx-Schrauben befestigt, die sich zwecks Reinigung problemlos lösen und wieder anbringen lassen. Die Schraubenköpfe sind in die Griffschalen eingelassen und stören beim Greifen nicht. IWB getragen ist der schmale Griff unter einem T-Shirt oder Hemd kaum zu erkennen.

Die Klinge des RED V2 ist mit einer Dicke von 3,2mm sehr schneidfreudig, was durch den hochgezogenen Flachschliff des Messers noch verstärkt wird. Die Klingenform ist an klassische Tantoklingen angelehnt, besitzt also einen relativ langen, geraden Klingenteil und einen leicht bauchigen Klingenteil zur Spitze hin. Die falsche Schneide ist am RED V2 fast über die gesamte Klingenlänge gezogen, was Gewicht spart und die Penetrationsfähigkeit verbessert.

Die falsche Schneide geht sofort in großzügiges jimping über, welches das Arbeiten mit dem Messer angenehm und sicher macht, ohne den Daumen dabei zu stark zu reizen.

Die Kydex-Scheide des RED ist ebenfalls recht schmal, sie besteht aus relativ dünnem Kydex und das Messer sitzt mit der Schneide direkt an der Pancake-Faltung, was ich so bei noch keinem anderen Messer gesehen habe. Die Scheide hält das Messer zuverlässig und lässt einen sicheren Griff am Messer zu, ohne dass das Messer aus der Scheide gezogen werden muss. Die Ösen an der Scheide lassen das Befestigen eines TekLok oder eines IWB-Loops zu, so wie es sich für eine solche Scheide gehört. Leider klappert das Messer gelegentlich innerhalb der Kydex.

Die Unterschiede zwischen V1 und V2

In diesem Video erklärt Bastien Coves die Unterschiede zwischen dem RED V1 und dem RED V2. Wer, so wie ich, kein Französisch spricht, für den fasse ich die Unterschiede kurz zusammen:

  • Der Dorn am Griff wurde etwas gekürzt und abgerundet, was auf den Zweck des Dorns keinerlei Auswirkung hat, aber nun zulässt, dass das Messer auch in anderen Orientierungen gegriffen werden kann, falls das nötig ist oder man das Messer ohne hinzusehen greifen muss.
  • Die Klingenform ist stärker in Richtung Tanto verändert worden. Der Kleine Winkel zwischen den beiden Schneidenabschnitten ist nun deutlich zu erkennen und kann genutzt werden, während bei dem RED V2 die Klinge an diesem Punkt einfach in einem leicht rund verlief.
  • Die Schrauben sind nun (stärker) in den Griffschalen versenkt und stören nicht mehr.
  • Das Bastinelli-Logo auf der Klinge ist etwas kleiner.
  • Das Messer ist gute zehn Gramm leichter als zuvor und wiegt ohne Scheide nur noch 118g.
  • Die falsche Schneide ist deutlich ausgeprägter.
  • Das RED V2 wird in limitierter Auflage mit Teilwelle hergestellt.
  • Die Produktion des RED V2 wird von Fox Knives in Italien durchgeführt, die des V1 wurde von Viper übernommen.
  • Das Messer wird in einer sehr schicken Box ausgeliefert.

Im Alltag

Das RED V2 war für mich in den letzten Monaten ein treuer Begleiter. Ich entschied mich für die beschichtete Version des RED V2, da ich es IWB trage und es dementsprechend regelmäßig mit meinem Schweiss in Berührung kommt. Außerdem wollte ich ein RED V2 mit Teilwelle haben. Wenn die Frage serrations – keine serrations die Messerwelt zuverlässig spaltet, wollte ich mit dem RED V2 noch Dinge wie Gurtband schneiden können, auch wenn ich das Messer mal einige Wochen zwar nutzen aber nicht pflegen konnte.

Das Messer ist wirklich sehr schlank und extrem leicht, so dass ich regelmäßig in kurzen Panikmomenten nachsehen musste, ob es noch da ist. In Shorts und unter einem einfachen T-Shirt ist das Messer nicht sichtbar und der Griff besitzt keine Ecken und Kanten, die verräterische Beulen erzeugen könnten.

Ausnahmslos alle alltäglichen Schneidaufgaben meistert das RED V2 mit Bravur. Der Teilwellenschliff hat mich bisher auch nicht gestört, auch wenn das einige meiner “Messerfreunde” prophezeit hatten. Als Ersatzbrechstange würde ich das RED V2 nur im Notfall einsetzen, aber das ist ohnehin nichts, was ich meinen Messern zumuten möchte.

Nachschleifen musste ich das RED V2 bisher nicht, ein paar Züge übers Leder haben bisher immer gereicht, um das Messer wieder rasierscharf zu bekommen.

Die Beschichtung schützt das Messer relativ gut vor Umwelteinflüssen, ich musste aber im Sommer trotzdem hin und wieder kleinere Rostflecken feststellen, diese ließen sich aber alle entfernen und scheinen auch nicht zurückuzukommen. Das RED V2 benötigt, um rostfrei zu bleiben, nur ein geringes Maß an Pflege, für ein Alltagsmesser ist das völlig in Ordnung.

Fazit

Das Bastinelli Knives RED V2 ist ein absolut überzeugendes EDC-Messer. Es schneidet vorbildlich, lässt sich problemlos in Alltagsoutfits unterbringen und macht einen stabilen, zuverlässigen Eindruck. Die bei mir aufgetretenen Rostprobleme sind kein Weltuntergang und schränken mich in der Messernutzung glücklicherweise nicht ein.

Die Scheide ist für die Nutzung als EDC-Messer ausreichend, allerdings könnte die Materialermüdung des recht dünnen Kydex dazu führen, dass man irgendwann die Scheide ersetzen muss. Bisher sieht es bei mir aber nicht danach aus.

Insgesamt bin ich sehr froh, dass Bastien Coves seine ansprechenden und funktionalen Messerdesigns auch für Menschen mit beschränkt prallem Geldbeutel zugänglich macht und sie industriell fertigen lässt. Dass dabei die Qualität nicht leiden muss, zeigt Fox Knives mit dem RED V2. Von mir gibt es dafür eine klare Kaufempfehlung.

 

Disclaimer: Auch wenn Hersteller oder Anbieter eines Produktes ihre Produkte kostenfrei oder vergünstigt an mich abgeben bedeutet das für mich nicht, dass ich sie positiv besprechen muss. Ich beurteile jedes von mir besprochene Produkt nach bestem Wissen und Gewissen.

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4 thoughts on “Review: Bastinelli RED V2

    • Im Alltag ist das RED kaum zu schlagen, einfach weil es so bequem zu tragen ist. Das ESEE 3 wäre meine erste Wahl, wenn ich davon ausgehe, dass gröbere Arbeiten anstehen könnten, aber es ist nicht wirklich dafür gebaut, jeden Tag IWB getragen zu werden, dafür ist die Scheide zu klobig und der Griff zu voluminös, zumindest für meinen Geschmack.
      Ich habe relativ häufig das ESEE in Tasche oder Rucksack und das Bastinelli am Gürtel. Best of both worlds.

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  1. Schönes Review eines tollen Messers!
    Ich interessiere mich für das RED seitdem die erste Version auf den Markt gekommen ist, habe mich aber nie zu einem Kauf durchringen können. Bei der v2 wäre beinahe schwach geworden, aber einige Zweifel bezüglich der Griff-Gestaltung haben mich wieder davon abgehalten. Kannst du vielleicht noch ein paar Sätze zur Handhabung im “Pikal-Griff” schreiben? Ich interessiere mich sehr für diese Techniken und suche bei meinen Messern immer nach einem Griffdesign, welches diese Haltung erlaubt. Bastien scheint das Thema ja in seinem Video zum v2 anzusprechen, da ich aber kein Französisch spreche und das Messer offensichtlich nicht primär auf diese Griffweise ausgelegt ist, wäre ich sehr an deiner Meinung dazu interessiert.

    Beste Grüße
    Jonas

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    • Wie Bastien im Video sagt, kann man das Messer so mit dem verkürzten Dorn halten, ohne dass es sofort schmerzt oder total unsicher ist. Zum Abschneiden von Pflanzen oder zum Zerteilen eines großen Stückes Stoff taugt der Griff, aber wenn man das Messer in einem SV-Fall so halten möchte, ist das keine wirklich gute Idee, denke ich.
      Notfalls geht es, aber wenn man ein Messer sucht, das explizit auch dafür geeignet ist, sucht man lieber noch etwas weiter.
      Mir fällt allerdings kein Messer ein, das wirklich in allen Griffarten gut funktioniert…

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